Der Juve-Fan scheut keinen Aufwand

  • 06.05.2022

Gianluca Calbucci ist Versicherungsberater - und Verteidiger: Mit seinen 25 Jahren ein Leistungsträger beim FC Wohlen. Vier Abende pro Woche und einen Tag am Wochenende ist er selber im Einsatz. Und regelmässig schaut er Spiele seines Herzensclubs.

Gianluca Calbucci hat einen gut gefüllten Terminkalender. Der Versicherungsberater der Zurich Versicherung hat gerade Kundentermin hinter sich, bald fährt er los nach Wohlen, ein Training beim Erstligisten steht an. Der 25-Jährige widmet einen beträchtlichen Teil seiner Freizeit dem Fussball und das mit Erfolg: Die Aargauer führen die Tabelle der Gruppe 2 an. Das erklärte Ziel ist das Erreichen der Aufstiegsspiele, und Calbucci sagt offen: «Wir setzen alles daran, den Aufstieg in die Promotion League zu schaffen.»

Er näherte sich dem Durchbruch

Seit 2018 gehört der Linksverteidiger bei den Freiämtern zu den Leistungsträgern. Er fühlt sich gut aufgehoben in Wohlen, er fühlt sich auch wohl in der 1. Liga. Trotzdem reizt es ihn, noch einmal eine Stufe höher zu spielen. Lange träumte er den Traum vom Durchbruch, von einem Leben als Profi, und es sah auch lange gut aus. In Winterthur durchlief er ab der U-15 alle Stufen im Nachwuchs, spielte zeitweise mit Christian Fassnacht, Manuel Akanji und Jan Elvedi, die heute mit dem Fussball ihr Geld verdienen. In der Challenge League brachte er es zu vier Einsätzen, aber dann endete der Weg. Calbucci musste sich neu orientieren.

«Vor Beginn der Corona-Pandemie begann ich, mit Gedanken über einen Wechsel in die Privatwirtschaft zu machen», sagt er. Die Grundlage hatte er gelegt, an der United School of Sports hatte er das KV abgeschlossen. Und mit 23 schätzte er seine Chancen, doch noch einmal einen Vertrag in einer der zwei höchsten Schweizer Ligen zu erhalten, als gering ein.

Aber darunter hat die Leidenschaft für seinen Sport in keiner Weise gelitten. Mit seiner Freundin wohnt er zwar in Dübendorf, fährt aber viermal pro Woche nach Wohlen, dazu kommt jeweils der Match am Wochenende. Wenn er selber nicht auf dem Platz steht, sitzt er gerne vor dem Fernseher. Vor allem dann, wenn Juventus spielt, sein Herzensclub. «Wann immer sich die Gelegenheit bietet, eine Partie zu verfolgen, tue ich das», sagt er. Selbstredend hat sein grosses Idol eine lange und schillernde Vergangenheit bei Juventus: Alessandro Del Piero. Calbucci hat mit seiner Freundin eines bereits besprochen: Sollten sie einst Eltern eines Sohnes werden, soll er auf den Namen Alessandro getauft werden. Und sein Vorbild als linker Verteidiger ist ein ex-Turiner: Italiens Nationalspieler Leonardo Spinazzola steht bei der AS Roma unter Vertrag.

Der Vater ist sein Chef

Geerbt hat er die Liebe für Juve von seinem Vater. Auch beruflich hat er nun denselben Weg eingeschlagen wie sein Vater, der als Generalagent bei der gleichen Versicherung tätig und dort Gianlucas Chef ist. So wichtig Fussball für ihn ist, so viel Aufwand er auch betreibt, Calbucci sagt offen: «Priorität hat unter dem Strich der Beruf. Ich habe einige Ambitionen und möchte mich in diesem Bereich weiterentwickeln.»

Ob er über den Sommer beim FC Wohlen bleibt oder eine neue Herausforderung annimmt, lässt er offen. Vorderhand geniesst er die Zeit bei den Freiämtern, bei denen mit Thomas Schiavano einer seiner besten Freunde und mittlerweile auch Arbeitskollege spielt. «Wir haben viel Spass mit der Mannschaft», sagt er, «das ist das Wichtigste.» Nur ein Problem beschäftigt ihn manchmal: «Es ist ja schön, dass es mir nie langweilig wird. Aber manchmal würde ich mir wünschen, dass die Zeit nicht vergeht wie im Flug.» (pmb.)

 

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