Coffrane - ein Aufsteiger überrascht die Liga

  • 09.09.2022

Fünf Spiele, keine Niederlage, elf Punkte: Die Neuenburger legen einen beeindruckenden Saisonstart hin. Ihr Trainer, Xamax-Legende Philippe Perret, ist angetan von der Einstellung seiner Spieler.

Bild: BNJ
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Es ist so erstaunlich wie beeindruckend, was der FC Coffrane leistet - und das seit Wochen schon, ja Monaten. Zuerst steigen die Neuenburger in die 1. Liga Classic auf und müssen einen neuen Cheftrainer suchen, weil Antonio Baldi nicht über das nötige Diplom verfügt. Dann sehen sie sich gezwungen, die Heimspiele auf einem fremden Terrain auszutragen, weil die Masse des Sportplatzes Paulière den Anforderungen nicht mehr gerecht werden.

Und was tut der Club? Er findet mit Philippe Perret einen namhaften Trainer und startet mit fünf Spielen ohne eine Niederlage in die Meisterschaft. Elf Punkte reichen aktuell für Rang 3, die U-21 von Servette ist nur einen Punkt voraus.

Heimspiele im Nachbardorf

«Für uns war es irgendwie auch ein Start ins Ungewisse», sagt Perret, der mit Genugtuung registriert, dass die Spieler vieles ausblenden, das sie nicht beeinflussen können. Der FC Coffrane musste bislang vier Auswärtsspiele bestreiten. Dazu kam, dass das «Heimspiel» im benachbarten Les Geneveys-sur-Coffrane ausgetragen werden musste.

An der Substanz im Kader zweifelte Perret nie, aber er wusste nicht, wie die Mannschaft auf die schwierigen Verhältnisse reagiert, was die Infrastruktur betrifft. Jetzt kann er sagen: «Sie geht hervorragend damit um.»

Perret ist in Neuenburg eine Legende. 540 Partien bestritt er einst für Xamax, so viele wie keiner sonst. Zuletzt arbeitete er dort auch im Nachwuchs. Im Sommer nun spielte der 60-Jährige mit dem Gedanken, sich vom Fussball etwas zu distanzieren: «Ich hätte mir vorstellen können, noch einmal etwas ganz anderes zu machen.» Bis ein Anruf aus Coffrane alle Pläne über den Haufen wirft.

Perret hat drei Assistenten 

Bruno Valente ist der Sportchef beim Aufsteiger, Antonio Montemagno der Präsident, der sich seit 38 Jahren für die Interessen des FCC einsetzt. Perret spürt, mit welcher Leidenschaft die Verantwortlichen unterwegs sind, und sagt zu. Aber es ist nicht so, dass sein Vorgänger deswegen nun keine Funktion mehr hat. Antonio Baldi und dessen bisheriger Assistent Daniele Marzo werden Mitglieder von Perrets Staff. Und der Chef bringt gleich noch eine rechte Hand mit: Robert Lüthi, sein ehemaliger Teamkollege bei Xamax und seit Jahren schon Wegbegleiter von Perret an dessen bisherigen Stationen.

«Jeder hat seinen Aufgabenbereich, und das funktioniert problemlos», sagt Perret, «wir alle bringen uns ein mit dem Wissen, das wir haben. Und am Ende geht es nur darum, dass wir für Coffrane das Beste erreichen.»

Es ist nicht so, dass das Trainerquartett, die Mannschaft und die Verantwortlichen an den nächsten Schritt denken, an einen weiteren Aufstieg. Die elf Punkte zum Start seien elf Punkte auf dem Weg zum primären Ziel, also: Ligaerhalt. Aber Perret registriert sehr wohl einen grossen Ehrgeiz bei den Spielern. «Sie sind Wettkämpfer, die das Optimum wollen und die sich auch in der 1. Liga über eine Niederlage ärgern, obwohl diese Stufe für viele Neuland ist.»

Nun geht es nach Vevey

Perret freut sich über diese Einstellung, er freut sich über die Entwicklung des Clubs. «Wir wollen wachsen», sagt er, «aber das soll auf gesunde Weise geschehen, Schritt für Schritt.» Und wachsen soll das Team unter anderem an der Schwierigkeit, nicht daheim im gewohnten Umfeld antreten zu können. Am kommenden Samstag steht eine weitere Aufgabe in der Fremde an: Coffrane gastiert in Vevey. (pmb.)

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